28. Dr. Katja Kessler: Wie viel Punk braucht es im Leben?
Shownotes
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Foto: Christian Behring
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00:00:00: Sie ist promovierte Zahnärztin, Besseller-Autorin und Interior-Designerin mit eigener Firma.
00:00:06: Der klassische Weg war nie ihr Ding.
00:00:08: Ganz im Gegenteil, sie macht die Dinge anders als andere, aber stets mit ganz viel Mut, Disziplin und ohne Angst davor anzuecken.
00:00:16: Sie sagt, der größte Feind sitzt oft im eigenen Kopf.
00:00:20: Und ich möchte von ihr wissen, Wie kann man sich von äußeren Erwartungen befreien und wie geht man erfolgreich seinen eigenen Weg?
00:00:28: Ich freue mich ganz besonders auf Dr.
00:00:30: Katja Kessler.
00:00:31: Liebe Katja, schön, dass du da bist bei Alpha Woman.
00:00:34: Du hast jetzt ganz viele Fragen in den Raum gestellt, auf die ich selber eigentlich auch keine Antwort weiß.
00:00:39: Also wie macht man sich frei von der Meinung anderer?
00:00:42: Ich glaube, darum muss man hinarbeiten und das ist das Ziel.
00:00:46: Aber mir ist das schon sehr präsent, was andere sagen und denken.
00:00:52: Es interessiert mich auch.
00:00:52: Also ich bin neugierig.
00:00:54: Aber es ist am Ende dann nicht das, was mich wirklich motiviert oder bewegt, eine bestimmte Entscheidung zu fällen.
00:01:01: Die mache ich dann tatsächlich so für mich in meinem Stilkemerland.
00:01:03: Das
00:01:04: war schon fast das Schlusswort.
00:01:07: Ich würde sagen, wir fangen trotzdem noch mal von vorn an.
00:01:11: Ich habe ja ganz viel von Mut gesprochen schon.
00:01:13: in meinem Aufsorge und dass die Herausforderung gerne annimmt.
00:01:18: Also den Stier an den Hörnernpacken.
00:01:20: Woher kommt das?
00:01:21: Hast du das irgendwie in der Kindheit mitbekommen?
00:01:23: Hast du das abgeschaut?
00:01:24: Hast du das selber beigebracht?
00:01:27: Den Stier bei den Hörnernpacken.
00:01:28: Ich bin ja zufällig auch noch verheiratet.
00:01:30: Also es ist und ich hab vier Kinder und Kaninchen.
00:01:33: Und irgendwie sechs Katzen.
00:01:35: Also tatsächlich ist es ja nicht eine Front, an der man sich beweisen muss.
00:01:39: Es sind ganz viele.
00:01:40: Und für eine lange Zeit bewegt man sich als Frau in so einer Art Flaschenheiz des Lebens.
00:01:47: Das zieht sich alles zusammen und muss sich da oben durchfummeln.
00:01:50: Und ja, Mut gehört dazu.
00:01:53: Disziplin, die du auch schon nanntest.
00:01:55: Und ehrlicherweise, und das widerspricht eigentlich dem, was wir gerade gesagt haben, auch eine gewisse Ignoranz.
00:02:00: Also sich wirklich davon frei zu machen, wie man es jetzt eigentlich machen sollte.
00:02:04: Auch Erwartungen identifizieren und dann auch enttäuschen.
00:02:08: Und aus dieser Mischung heraus, sich dann für jeden Tag wieder neu zu orientieren und zu organisieren.
00:02:16: Wir wollen ein bisschen mehr über dich erfahren.
00:02:19: Du bist in Kiel geboren, dort auch aufgewachsen und hast dann Zahnmedizin studiert in... Kehl und Hamburg.
00:02:27: Was war denn der Traum?
00:02:29: Hast du dich im weißen Kittel gesehen, in einer schicken Praxis?
00:02:32: oder warum hast du dich entschieden, Zahnmedizin zu studieren?
00:02:35: Also ich glaube, das wurde entschieden.
00:02:40: Mein Vater war Zahnarzt und es war völlig klar, dass ich das aufwählen würde.
00:02:43: Ich habe das überhaupt nicht in Frage gestellt.
00:02:45: Heute würde man, also heute würde ich ein bisschen schlauern, würde denken, das ist wie so ein implantierter Wunsch gewesen, von dem ich dachte, das ist meiner.
00:02:52: Und dann habe ich das auch angefangen zu studieren.
00:02:54: Ich hatte immer so ein bisschen das Gefühl, ich bin beim Fasching und ich gehe als Zahnärztin.
00:03:00: Und die anderen sind jetzt die Patienten.
00:03:03: Ich habe mich immer wie mit einer Kamera selber beobachtet und das war nicht meins.
00:03:06: Und gleichzeitig war ich umgeben von Personen, die wirklich aufgingen in dem, was sie da taten.
00:03:13: Und das hat dann mir so eine Sehnsucht entfacht.
00:03:15: Ich wollte das auch fühlen, diese Begeisterung für etwas.
00:03:19: Da war ich mir immer sicher, dass es das gibt, aber nicht da, wo ich jetzt gerade war.
00:03:23: Und dann habe ich mich auf den Weg gemacht.
00:03:26: Und dann bist du ja... Da gab es bestimmt noch einige andere Sachen dazwischen, aber du hast dann als Praktikantin bei der Bildzeitung angefangen.
00:03:34: Das ist natürlich schon nochmal ein Schritt von der promovierten Zahnärztin, die wahnsinnig viel Zeit und Energie in dieses Studium investiert hat, dann im Boulevard zu landen, als Praktikantin und kleine Texte zu schreiben.
00:03:48: Wie haben deine Eltern reagiert oder wie bist du auch mit dem Druck, mit den Erwartungen vielleicht von der eigenen Familie oder von außerhalb zurechtgekommen?
00:03:58: Als ich mein Studium fertig hatte, war ich wirklich froh, meine Sachen packen zu können.
00:04:02: Ich habe wirklich meine Toffelmeiermatretzen, all meinen Zahnmedizinbesteck in blauen Müllbeute gepackt und einen Keller gebracht und damit war das für mich auch.
00:04:12: durchlitten.
00:04:14: Also ich bin ja schon so durch das Tal der Tränen gegangen.
00:04:17: Und ich hatte das niemandem erzählt, weil in meinem neuen Traumberuf, nämlich Journalismus, dachte ich, bin ich mir eine Bleikugel anzuweilen, wenn ich jetzt jemandem sage, ich bin Zahnärztin, da muss ich ja womöglich medizinische Texte schreiben.
00:04:28: Und da war ich mir relativ klar, dass ich das nicht möchte.
00:04:31: Ich war mir immer ziemlich klar in den Dingen, die ich nicht wollte.
00:04:35: Und das ist ja auch schon mal ein Koordinatensystem.
00:04:38: Und auf dem weiteren Weg habe ich immer gemerkt, es gab so Erweckungsmomente.
00:04:43: Und das war wirklich der erste Tag in einer Redaktion, wo die Leute da geredet haben, was für eine Atmosphäre war.
00:04:48: Es hat mich so, man würde jetzt sagen, so gehuckt.
00:04:52: Ich war süchtig vom ersten Moment an.
00:04:54: Und insofern habe ich auch an keiner Stelle niemals zu keinem Zeitpunkt gedacht, oh Gott, die schon die Zahn mitziehen.
00:05:00: Sondern ich war mir sicher, die kommt auch gut ohne mich klar, die Zahn mitziehen.
00:05:04: Aber hattest du nie das Gefühl, dass du überqualifiziert bist?
00:05:07: Nö.
00:05:07: Also in dem, was ich dann tat, war ich ehrlicherweise wirklich... Da war ich jetzt nicht die hellste Kerze auf der Torte.
00:05:14: Ich musste mir erst mal schreiben beibringen.
00:05:16: Es kam sogar jemand auf mich zu und sagte, bei der Bild machen sie keine Nebensätze.
00:05:21: Und dann saß ich da und hab versucht zu schreiben ohne Nebensätze.
00:05:24: Und ich musste das lernen, was ich dann später zu meinem Beruf... werden lassen wollte.
00:05:32: und so fand ich, nein, ich fühlte mich nicht überqualifiziert.
00:05:35: Du
00:05:35: bist ja bekannt geworden mit den Texten zu Mädchen von Seite Einsen.
00:05:40: Es waren ja immer Wortspiele, voller Witz und Ironie.
00:05:44: Ist das dein Erfolgsgeheimnis, das alles nicht so ernst zu nehmen?
00:05:48: oder hast du es besonders ernst genommen?
00:05:51: Also ich hab schon auch einen Punk in mir, auf jeden Fall.
00:05:54: Und meine Ausbildung hat mir das auch erlaubt.
00:05:56: Also ich hatte ja neun Jahre Latein in der Schule und sechs Jahre eichn Griechisch.
00:06:02: und habe mich wirklich durch die deutsche Sprache gefressen, so wie die Roppelnimmersatz, durch das Stück Torte.
00:06:09: Und als ich dann angefangen habe zu schreiben, da konnte ich mich, da konnte ich mit der Sprache jonglieren.
00:06:13: Ich habe mir meine Worte so hingeknetet, wie ich das brauche und wollte.
00:06:17: Da hatte ich immer eine Sicherheit, da war ich zu Hause in Sprache mein Freund.
00:06:21: Also ich selber bin nicht immer mein Freund, aber die Sprache, das läuft.
00:06:25: Und jetzt musste ich nur gucken, wie das, was in meinem Kopf quasi schon vorformuliert war.
00:06:29: dann irgendwann auch auf dem Papier oder auf dem Bildschirm landete.
00:06:32: Das war sozusagen dieser Transit, den ich erst mal auch trainieren musste.
00:06:37: Du hast mal gesagt, das eigentliche Drama spielt sich häufig im Kopf ab und zwar am eigenen.
00:06:42: Das Fünftausend Stimmen auf einen einreden.
00:06:45: Wie bringst du denn Ordnung in deinen Stimmgewirr?
00:06:49: Also... Tatsächlich ist es so, ich glaube, meine allererachste Feinde, die heißt Katja und die schläft auch nicht.
00:06:57: Die ist wirklich an mir dran und hält mir immer den Spiegel vor.
00:07:01: So wie bringe ich Ordnung da rein?
00:07:03: Tatsächlich, ganz profan habe ich vor fünfzehn Jahren.
00:07:09: Joggen für mich entdeckt.
00:07:11: Und das ist eigentlich ganz gut, weil ich laufe eine Stunde und dann kann ich tatsächlich so meinen Gedanken nachhängen und komme relativ gut sortiert wieder zu Hause an.
00:07:20: Das ist eine Sache.
00:07:21: und die zweite ist, ich habe vier Kinder und ich finde, vier Kinder sind insofern ein Geschenk, dass ich immer sage, ich arbeite nicht trotz meiner Kinder, sondern ich arbeite wegen meiner Kinder, weil Kinder ja auch so etwas Absorbierendes haben, sowas forderndes.
00:07:37: So dass ich, wenn ich mit denen bin, so gar nicht so viel Zeit habe, mich auf meinen eigenen Bauchnabel zu gucken.
00:07:44: Und auf eine komische Art sortiert das auch.
00:07:45: Also meine Familie sortiert mich auch, gleich sie mir gar nicht so die Zeit faktisch gibt, jetzt Dinge zu Ende zu denken, schafft sie aber so eine gesunde Balance zwischen den Dingen, die wichtig und den Dingen, die unwichtig sind.
00:07:57: Du hast es ja gerade erwähnt.
00:07:59: Du hast viel mittlerweile erwachsene Kinder.
00:08:01: Du bist mit Ex-Bildchef Kai Dieckmann verheiratet.
00:08:06: Als ihr eure Familie gegründet habt, hast du Bücher angefangen zu schreiben, die alle besserler wurden.
00:08:12: Was hat dich denn in der Zeit besonders bewegt?
00:08:16: Also als Journalistin denkt man ja sowieso, man versteht alles und dann setzt sich bei mir noch die Ärztin drauf und ich meinte den vollen Durchblick zurück.
00:08:24: Dann bekam ich mein erstes Kind und stellte fest, ich habe überhaupt gar keine Ahnung.
00:08:28: Und das, was sie da begegnet und die Sorgen und Nöte, die waren mir fremd, obgleich ich dachte, ich sei informiert.
00:08:35: Und daraus wurde eine Idee geboren, ein Schwangerschaftsbuch zu schreiben.
00:08:40: Und als Journalistin ist man auch immer ein Stück weit Missionarin und deswegen bin ich vielleicht auch Journalistin geworden, weil es ein Stück weit auch in mir ist, das die den Leuten erklären möchte, wie es geht.
00:08:51: Also habe ich dieses Buch geschrieben und habe gemerkt, wie dieses Buch so ganz viel in mir auch katalysiert hat.
00:08:59: Also mein Frauenbild, meine Überzeugung.
00:09:03: Auf jeden Fall habe ich ein Großteil dieses Buches tatsächlich mit Baby im Arm geschrieben und ich habe gemerkt, dass sie dieses Arbeiten an etwas mir Kraft für mein Kind gegeben hat.
00:09:15: Also man müsste meinen, dieses Kind, da ist gar kein Platz links oder rechts.
00:09:21: Aber das Gegenteil war der Fall.
00:09:23: Kraft aus meiner Arbeit gezogen und deswegen sage ich auch immer gerne, ich arbeite nicht trotz meiner Kinder, sondern wegen meiner Kinder, weil es meinen Energiespeicher fehlt.
00:09:33: Und hat es doch den Ansporn erfolgreich zu sein.
00:09:36: oder ging es dir darum, nicht hier zu schreiben, der Leidenschaft nachzukommen oder war da auch so der Wille?
00:09:42: Ich habe
00:09:43: immer den Anspruch gut zu sein.
00:09:44: Also ich möchte es gut machen.
00:09:48: kann dann erfolgreich sein, aber es muss es nicht zwingend.
00:09:50: Aber ich möchte für mich, ich möchte eine, ich möchte schon eine Leistung abliefern.
00:09:57: Und weil wir jetzt gerade über Kindersprachen, ich gehöre auch zu diesen Müttern, die abends ins Bett gehen oder die stehen morgens auf und ja, nehmen sie vor, dies und dies und das und das zu machen.
00:10:07: Und jeden Abend ging ich ins Bett und von den zehn Punkten, die es zu erhaschen galt, habe ich dann vielleicht drei oder vier geschafft.
00:10:15: Also Ich habe eine hohe Erwartungshaltung an mich.
00:10:18: Und der werde ich in den seltensten Fällen gerecht.
00:10:22: Das hat stressvolle Momente, aber ich glaube, es bringt einen ja auch voran.
00:10:29: To strive und sich weiterzuentwickeln.
00:10:33: Du hast mal gesagt, Disziplin ist für dich ganz, ganz wichtig.
00:10:41: Ja, also erstmal glaube ich, habe ich ganz viel... Präußen in mich eingekreuzt.
00:10:47: Man ist der, den man ist, mit diesem Charakterprofil, mit dem man auch auf die Welt kommt.
00:10:53: Und letztendlich hat mich die Disziplin aber auch aus meinen Tälern befreit.
00:10:58: Also, als ich da saß und wusste, ich will auf gar keinen Fall Zahnärztin werden, war ich ja in unserem Atmiemannsland.
00:11:04: Ich hatte schon fünf Semester studiert, sechs waren noch vor mir und ich dachte, ich sterbe.
00:11:09: Und es hat eine Weile gebraucht, aber dann habe ich die Disziplin aufgebracht, dieses für mich damals dofe Physikum zu schaffen und dann auch noch mal in diesen medizinischen Teil einzusteigen.
00:11:20: Und am Ende, das war schon so das Gefühl, dass ich wie Siegfried in Drachenblut gebadet war.
00:11:26: Und es hat mir in so vielen Abschnitten meines Lebens immer geholfen zu denken, Durchhalten lohnt.
00:11:33: Und das bin ich auch meinen Kindern bei.
00:11:36: Bist du wieder in einer ganz anderen Branche gelandet, nämlich du hast ein Unternehmen für Interior Design.
00:11:44: Wie bist du überhaupt dazu gekommen und hast du eine spezielle Vision oder ein spezielles Konzept, nach dem du vorgehst?
00:11:54: Also ich finde schon eine Person, die macht chronische Denkfehler.
00:11:57: Also ich denke ja immer, ich bin viele und das was ich kann oder nicht mag, können die anderen auch oder mögen die anderen auch nicht.
00:12:04: Erst über meine Beschäftigung mit den Tierresign habe ich gemerkt, dass ich tatsächlich, seitdem ich denken kann, eine Angewohnheit habe, wenn ich irgendwo sitze und mich langweile, rücke ich im Kopf ein Möbel.
00:12:16: Irgendwo private Einladung und ich gucke mit die Streunkwand an, die Vorhänge und habe das schon immer gemacht und hat auch immer Spaß dran zu gucken, wie müsste man es besser machen.
00:12:28: Und irgendwann stelle ich so fest, dass ich auch genau sehe, wie es aussehen könnte.
00:12:34: Sie ist genau von mir, genau.
00:12:36: Und dann war das so ein Erweckungserlebnis zu hören, dass es anderen nicht so gibt, dass sie genau gar nichts sehen.
00:12:44: Und ich habe über das Interior Design eigentlich nochmal selber eine neue Facette von mir kennengelernt, die mir vorher gar nicht so bewusst war, dass ich das kann.
00:12:55: Deswegen auch da mein Reden.
00:12:59: Also klar sollte man sich Gedanken machen und nicht blind.
00:13:02: in einem Abenteuer stürzen, aber der Segen liegt im Machen.
00:13:07: ausprobieren und nicht sich im Kopf davon überzeugen, dass es alles nichts taugt und auf der Couch sitzen bleibt.
00:13:14: Jetzt hat es ja schon verschiedene Karrieren.
00:13:15: Die Witzahnärztin, die Journalistin, die Besserlatorin, jetzt Interay Design.
00:13:20: Ich kann mir vorstellen, es gab bestimmt den einen oder anderen oder die ein oder andere, die gesagt hat, was macht die denn jetzt schon wieder?
00:13:27: So auch die Meinungen von außen, kann die das?
00:13:33: Wie kommt sie dazu, das jetzt zu machen?
00:13:35: War das ein Thema für dich?
00:13:36: Oder wie gehst du mit diesen vielleicht auch kritischen Stimmen um?
00:13:40: Also ich glaube sofort, dass es die gibt, weil das ja auch meine eigene Stimme ist.
00:13:44: Es gibt immer wieder diesen Moment, dass ich irgendwo sitze und gleich kommt jemand und sagt, hey, was machen Sie hier?
00:13:50: Sie können es ja gar nicht.
00:13:51: Aber das hatte ich auch schon im Journalismus.
00:13:53: Selbst als ich schon Chefreporterin war und meine eigene Kolumnate, dachte ich immer, also, kannst du das?
00:14:02: Und ich glaube, das hört auch nicht auf.
00:14:03: Das gibt ja auch einen Namen für dieses Symptom, das insbesondere Frauen befällt, dass sie immer denken, sie sind nicht gut genug oder können es halt nicht.
00:14:11: Aber ich finde, es gibt Techniken, die man anwenden
00:14:13: kann.
00:14:14: Verrat uns mal die Technik, weil ich glaube, die wollen wir alle gerne erfahren und wissen.
00:14:19: Also, wenn ich zum Beispiel in eine Besprechung gehe und ich habe oft Situationen, die sind irgendwie aus einer schlechten Netflix-Serie, dann sitzen da so zehn Typen.
00:14:27: Und ich komme da rein und ich bin jetzt für schön zuständig, also ein schönes Amienten.
00:14:33: Dann stelle ich mir tatsächlich an, da hätte schon was passieren würde, wenn ich da jetzt das völlig vermasseln würde und merke, ich würde es überleben.
00:14:43: Ich würde es überleben.
00:14:44: Es ist im Kopf, es ist im Kopf, es ist nicht schlimm.
00:14:49: Es ist faktisch nicht schlimm.
00:14:50: Ich möchte es nicht erleben, aber es ist nicht schlimm.
00:14:53: Das ist das eine.
00:14:54: Das zweite ist, dass ich schon mit einem hohen Respekt und einer hohen Vorbereitung in einen Termin gehe.
00:15:04: Also ich bereite mich vor sehr akribisch, um dann festzustellen, das ist ganz lustig, die anderen sind oft gar nicht gut vorbereitet.
00:15:14: Also gerade wenn ich Projekte präsentiere und Designs mag ich, die anderen lassen sich ihr berieseln.
00:15:20: Und das ist dann meine Stunde.
00:15:22: Und dann kommt die Entertainerin in mir raus.
00:15:24: Und auf die Frage, was die Techniken sind, ich gehe einfach mal davon aus, wenn es so leicht wäre, würde es jeder machen.
00:15:34: Und am Ende, dass die Unterschiede nicht so groß sind, dass ich jetzt besonders blöd dastehe oder besonders dumme Sachen sage, sondern ich glaube, ich sage genauso dumme Sachen wie anderen auch.
00:15:47: Und dann gleich sieht das aus.
00:15:50: Findest du, dass Männer anders agieren im Geschäftsleben als Frauen?
00:15:54: Ja.
00:15:54: Und müssen wir Frauen uns vielleicht das ein oder andere abschauen?
00:15:58: Auf jeden Fall.
00:15:59: Also ich muss sagen, dass ich diese männlichen Geschäftsriten zu Schätzen gelernt habe.
00:16:09: Also das sind ja sehr oft, ohne jetzt hier so scheren Schnittmäßig zu sprechen, sind klare Ansagen.
00:16:15: Es ist ein Verstehen.
00:16:17: either you win or you learn, you never lose.
00:16:22: Man geht da rein und probiert's.
00:16:25: Und das als Teil des Spiels zu begreifen, auch über Geld zu reden.
00:16:30: Sehr wichtig.
00:16:32: Sehr wichtig, sehr schwierig.
00:16:34: Aber eigentlich... festzustellen, da ist eine Sprache unterwegs, da sind so Terminologien, die wirklich helfen, Situation zu lösen.
00:16:43: Und ich bin oft erinnert an Situationen in der Vergangenheit, wenn du vier Kinder im Kindergarten hast oder in der Schule oder du bist dann irgendwie bei irgendeiner Schulveranstaltung, dieses Taktieren von Frauen untereinander, weil sie oft eben doch keine Sprache haben und es geht eher um Ausloten und abschätzen und einschätzen.
00:17:03: Wie erfrischend ist dagegen Business, Männerbusiness.
00:17:08: Ich fürchte, ich klinge wahnsinnig klischeeb.
00:17:13: Ich glaube, wir haben ja auch eine Geschäftswelt, die so ein bisschen männliche Eigenschaften betont.
00:17:17: Das ist nur meine Meinung.
00:17:19: Und man muss ein bisschen schauen, was kann ich für mich annehmen und wo kann ich auch meinen weiblichen Vorteil oder weiblichen Aspekt mit reinbringen.
00:17:28: Was bringst du deinen Töchtern bei?
00:17:29: Du hast zwei Töchter.
00:17:31: Oder was ist dir wichtig, was die für ihr Berufsleben mitnehmen sollen?
00:17:36: Also zu einem muss ich sagen, jede Frau kriegt ja... die Tochter, die sie verdient.
00:17:40: Und meine eine Tochter zum Beispiel, ich glaube, die hat erst mit zehn oder zwölf angefangen, sich überhaupt die Haare in den Frisur zu machen und zwar auch nur deswegen, weil sie zu dem Zeitpunkt Pony hatte und die musste sie fürs Turnier die Zöpfe einflächten.
00:17:54: Und so hat sie sich dann plötzlich auf ihre eigenen Haare interessiert.
00:17:57: Also, die sich wirklich nicht so für Stylung und so weiter so entbrannte ist.
00:18:03: Also, was bringe ich meinen Töchtern bei?
00:18:06: Ich finde, es gibt jetzt keine angeborene Matte Schwäche.
00:18:10: Und ich finde, wenn ich mancher Mütter höre, die sagen, auch Matte konnte ich auch nicht.
00:18:14: Und dann die vier oder die fünf in Matte, die sie verzeihen, wo sie vielleicht im Englischen sagen würden, streng dich mal an.
00:18:22: Also ich versuche ihnen zu sagen, dass ihr Kapital nicht die Haare auf dem Kopf sind oder ihre Lippenstiftpalette, sondern was sie im Kopf haben.
00:18:35: Bildung zu investieren, in das Verstehen von Dingen.
00:18:39: Weil das kann Ihnen keiner nehmen.
00:18:41: Also es kann Ihnen keiner mehr nehmen, egal wo Sie hinkommen und egal, wie dort die Umstände sind, was Sie im Kopf haben, tragen Sie immer bei sich.
00:18:49: Und das ist eine Botschaft, die man, glaube ich, auch selber leben muss.
00:18:53: Nie aufhören zu lernen, immer sich auch aufs Neue einzulassen.
00:18:57: Jetzt hast du, ich glaube, den London Design Award gewonnen.
00:19:04: Wie wichtig ist dir diese Bestätigung auch von außen?
00:19:08: Also, das war schon toll.
00:19:10: Das war schon super toll, weil ich habe mich dort beworben und es ist ein internationales Teilnehmerfeld gewesen und plötzlich höre ich meinen Namen und ich glaube, das war das erste Mal, dass ich dachte, guck, ich kann es ja dann doch vielleicht.
00:19:26: Und als mein Design dort an die große Leinwand geworfen wurde, fand ich, das war der zweite Einbruch, das sieht ja schon auch anders aus als vor anderen.
00:19:36: Also das ist gelungen zu seinen Scheinen, dass ich so eine eigene Handschrift entwickle.
00:19:41: Und ich finde, Preise sind, wenn man sie dann bekommt, schon toll, weil sie für einen kleinen Anblick mal die Handbremse anzieht.
00:19:55: Gelegenheit hat, zurück zu gucken.
00:19:58: Stolz empfunden.
00:19:59: Hast du das Gefühl, du bist jetzt angekommen oder wartet am Horizont schon der nächste?
00:20:04: Das IT-Studium.
00:20:06: Okay, IT.
00:20:06: Also gibts demnächst, Katja Kessler, künstliche Intelligenz.
00:20:10: Nein,
00:20:10: ich bin überhaupt nicht angekommen und wir basteln ja in unserem Büro.
00:20:15: Wir haben ja die KI für uns entdeckt und wir machen virtuelle Kamerafahrten durch Räumlichkeiten und ich habe sehr viel gewerbliche Kunden.
00:20:25: Wir entwickeln Hotels und Business.
00:20:27: Zentren und das ist, da möchte ich selber gerne wissen, wo sind die Grenzen und zu denen habe ich mich jetzt auf den Weg gemacht.
00:20:36: Wir sind gespannt, was dabei rauskommt.
00:20:38: Ganz lieben Dank, dass du heute mal Alpha-Woman warst.
00:20:41: Danke
00:20:41: für die Einladung.
00:20:42: Ja, und mit uns deine Ansichten, deine Insights und deine, ja, dein Mindset geteilt hast.
00:20:49: Vielen Dank.
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